Grimme-Beitrag in „VEST.ERLEBEN“

Das Revival des Newsletters

Bild: Tumisu / pixabay.com

Wie schaffen wir es, gut informiert zu bleiben, ohne uns dabei selbst zu überfordern? Meine Kollegin Aycha Riffi hat in der letzten Ausgabe bereits eine mögliche Antwort auf diese Frage gegeben, indem sie die bewusste Dosierung von Inhalten als Strategie im Umgang mit Medien vorstellte. Ich möchte dem eine weitere Strategie hinzufügen, die ich selbst gerne praktiziere: Formate für den Medienkonsum zu wählen, die Thema und Menge von sich aus begrenzen. Ein solches Format ist für mich der Newsletter.

Lange Zeit tauchte der Newsletter in unseren Postfächern nur als Werbung auf, doch aktuell erlebt dieser in den unterschiedlichsten Kontexten ein Revival. Meine These: Der Newsletter bietet Freiheiten, die andere Formate nicht (mehr) leisten können. Etwa ermöglicht er Menschen, die sich in etwas gut auskennen – z. B. Journalist*innen, Kulturkritiker*innen oder Wissenschaftler*innen –, ihr Wissen zu einem Thema direkt, kostengünstig und unabhängig von den Vorgaben großer Social-Media-Plattformen mit einer Leser*innenschaft zu teilen. Nutzer*innen erhalten zudem die Freiheit, zu entscheiden, was und wie viel sie konsumieren möchten. Genau darin liegt für mich die Stärke des Formats Newsletter: Perspektiven, genau dosiert und kuratiert von Menschen, die sich in ihrem Feld auskennen, statt eines endlosen, algorithmisch arrangierten Feeds. 

Mein Tipp: Newsletter zu bestimmten Themen und Interessen abonnieren und sich damit kleine Auszeiten schaffen, in denen sich gegebenenfalls der eine oder andere Geheimtipp verbirgt. Zwei solcher Newsletter möchte ich gerne empfehlen: zum einen das gerade frisch ins Leben gerufene Feelgood Feuilleton von Kathrin Hollmer, freier Journalistin und langjährigem Mitglied der Nominierungskommission Fiktion beim Grimme-Preis. Darin teilt sie einmal im Monat ihre Serienempfehlungen mit uns, die sich „wie eine Umarmung anfühlen“. Zum anderen den Buchwoche-Newsletter von Carsten Schrader (Kulturnews), der mich jeden Dienstagmorgen mit einer kleinen literarischen Auszeit und den neuesten Buchempfehlungen in meinem E-Mail-Postfach begrüßt.

 

Ein Beitrag von Victoria Wulf / Grimme-Institut.
Dieser Text ist zuerst erschienen in: VEST.ERLEBEN – Ausgabe 3-2026